Corinna Reck & Alexandra von Tettenborn

Elterliche Belastung, kindliche Verhaltensauffälligkeiten und therapeutische Herausforderungen zur Zeit der COVID-19-Pandemie – Ergebnisse der Online-Studie „CoviFam”

Aktuelle Studien deuten auf eine Zunahme von psychischen Problemen und familiären Belastungen durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie hin.

(1) In dem bundesweiten Online-Survey CoviFam werden Eltern mit Babys und Kleinkindern (0–3 Jahre) zu den Auswirkungen der Pandemie auf ihr psychosoziales Wohlbefinden befragt. (2) Die PAucPa-Studie untersucht die psychischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bei einer klinische Stichprobe von (Klein)kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (1,5–21 Jahre).

Erste Ergebnisse der CoviFam-Studie zeigen, dass Mütter, Elternteile ohne Partner*innen und Eltern mit geringerem Einkommen ein erhöhtes Risiko für depressive Symptomatik und erhöhtes Stressempfinden zu haben scheinen. Darüber hinaus erleben Eltern von älteren Kleinkindern während der Pandemie mehr Stress und mehr Beeinträchtigungen im Eltern-Kind-Bonding und in der Partnerschaftsqualität erleben als Eltern von Babys/jüngeren Kleinkindern. Diese Ergebnisse könnten u.a. auf die Instabilität in der externen Kinderbetreuung während der Pandemie zurückzuführen sein. Bei der Subgruppe von Müttern von 0–1-Jährigen gab jede dritte Mutter vermehrte kindliche Auffälligkeiten (z.B. vermehrtes Schreien) und damit zusammenhängende deutliche mütterliche Belastung an. Einen Mangel an medizinischer/psychotherapeutischer Versorgung berichteten ein Viertel der Mütter von 0–1-Jährigen. Die Befunde werden hinsichtl. ihrer Bedeutsamkeit für pandemiespezifische Beratung und Intervention diskutiert. Dabei werden insbesondere innerfamiliäre Beziehungen (Partnerschaft, Bonding) in den Blickpunkt gerückt. Um dem erhöhten Beratungsbedarf von Familien während der Pandemie zu begegnen, richten sich die Psychotherapeutische Hochschulambulanz für Babys, Kinder, Jugendliche und (werdende) Eltern der LMU und die Ambulanz des Ausbildungsinstitutes MUNIK in ihren Psychotherapiesprechstunden speziell an (werdende) Eltern, Kinder und Jugendliche, die sich durch die Pandemie psychisch belastet fühlen.

Corinna Reck, wissenschaftliche Leitung an der Psychologischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche an der LMU. Foto/ copyright: Alessandra Schellnegger

Prof. Dr. Corinna Reck
Leitung der Lehr- und Forschungseinheit Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters & Beratungspsychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
Forschungsschwerpunkte: frühe Eltern-Kind-Interaktion,  Einflüsse elterlicher Psychopathologie auf die kindliche Entwicklung
Psychologische Psychotherapeutin (VT), Weiterbildung in körperorientierter Psychotherapie und Gruppenanalyse
Video Intervention Therapy
https://www.psy.lmu.de/kiju/personen/leitung/_reck/index.html

(c) Alexandra von Tettenborn

Dipl.-Soz.päd. Alexandra von Tettenborn
Lehr- und Forschungseinheit Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters & Beratungspsychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München
Stellvertr. Leitung Psychoth. Hochschulambulanz (KiJu) und Ausbildungsinstitut MUNIK
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT), Psychotraumatologie und Traumatherapie (zptn), Video Intervention Therapy
https://www.psy.lmu.de/kiju/personen/wiss_mitarbeiter/alexandra_vontettenborn/index.html