Astrid Riehl-Emde

„Paartherapie? Nein, danke ….“ – und weshalb es sich trotzdem lohnen könnte, die Herausforderung anzunehmen

Abstract: Psychotherapeuten, die im üblichen Zweiersetting arbeiten, berichten immer wieder von ihrer Scheu, das gewohnte Setting zu verlassen, und von ihrer Unsicherheit, einem Paar oder einer Familie gegenüber zu sitzen. Dies ist einerseits verständlich, weil das Mehrpersonensetting ein anderes Handwerkszeug erfordert; es wirft jedoch auch Fragen auf, weil die meisten Patienten / Klienten in Beziehungen leben und daher im therapeutischen Alltag sehr oft auch Paarprobleme zur Sprache kommen.

Die Paartherapie blickt inzwischen auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück, in der Anregungen aus allen klassischen Schulrichtungen aufgenommen wurden. Sie sei „im positiven Sinne eklektisch“, wie Jürg Willi, eine der Gründerfiguren im deutschsprachigen Raum, die Integrationsbemühungen in früheren Jahren bezeichnet hat. Heutzutage bestimmen integrative Konzepte die Psychotherapie. Daher könnte es sich auch lohnen, die mehr oder weniger bewusste Zurückhaltung gegenüber dem klassischen Dreiersetting der Paartherapie aufzugeben. Sich dem Mehrpersonen-Setting zu öffnen, könnte sogar die Einzeltherapie bereichern, weil der oder die unsichtbare Dritte auf diese Weise möglicherweise gewinnbringend einbezogen werden kann.